Mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle
Im Regierungsbezirk Unterfranken ist die Zahl überschuldeter Personen erstmals seit sieben Jahren wieder gestiegen. Zum Stichtag 1. Oktober 2025 wiesen hier 63.797 Verbraucher Überschuldungsmerkmale auf – im Vorjahr waren es noch 61.431. Das entspricht einem Anstieg um 3,9 Prozent und liegt damit deutlich über dem Bundes-durchschnitt (+ 2,0 Prozent). Das zeigt der aktuelle Creditreform SchuldnerAtlas.
Nach mehr als zwei Jahren Rezession hat die Wirtschaftskrise nun auch den Arbeitsmarkt erreicht. Mit steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Unterbeschäftigung verschärfen sich bestehende Überschuldungsprozesse. Eine Zeit lang konnten private Haushalte durch zurückhaltenden Konsum einen Anstieg der Überschuldung verhindern. Inzwischen stoßen jedoch immer mehr Verbraucher aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten an ihre finanziellen Grenzen.
Schuldnerquote erstmals seit 2018 gestiegen
Aktuell weisen 5,80 Prozent der Einwohner Unterfrankens Überschuldungsmerkmale auf (Vorjahr: 5,61 Prozent). Damit erhöhte sich die Schuldnerquote – das Verhältnis überschuldeter Personen zur Zahl der erwachsenen Einwohner – um 0,19 Prozentpunkte. Trotz des Anstiegs liegt sie weiterhin unter den Werten früherer Jahre: 2018 waren noch fast sieben Prozent der Verbraucher überschuldet.
Alle Landkreise und kreisfreien Städte Unterfrankens verzeichneten steigende Schuldnerquoten. Den stärksten Anstieg meldeten die Städte Aschaffenburg (+ 0,31 Prozentpunkte) und Würzburg (+ 0,29 Prozentpunkte).
Die höchste Schuldnerquote in Unterfranken weist die Stadt Aschaffenburg mit 9,15 Prozent auf, dicht gefolgt von der Stadt Schweinfurt (8,98 Prozent). Die niedrigste Quote verzeichnet der Landkreis Schweinfurt mit lediglich 4,16 Prozent.
„Harte“ Überschuldung steigt nach längerer Zeit wieder an
Die Zahl der Personen mit harten Überschuldungsmerkmalen stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 36.745 (Vorjahr: 35.356). Diese Form der Überschuldung ist durch gerichtliche oder juristische Einträge dokumentiert.
Auch die sogenannte „weiche“ Überschuldung – Fälle mit geringerer Intensität – nahm zu: Ihre Zahl stieg von 26.075 auf 27.052 Personen (+ 3,7 Prozent). Darunter fallen beispielsweise wiederholte erfolglose Mahnungen mehrerer Gläubiger, ohne dass bereits gerichtliche Verfahren eingeleitet wurden.
Junge Erwachsene zunehmend betroffen
Am stärksten stieg die Schuldnerquote bei jungen Erwachsenen unter 30 Jahren: Innerhalb eines Jahres erhöhte sie sich um 0,31 Prozentpunkte auf 4,85 Prozent. Damit ist dies auch die einzige Altersgruppe, die im Vergleich zu 2019 einen Anstieg der Überschuldungsbetroffenheit verzeichnet. Die höchste Überschuldungsintensität bleibt jedoch in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 8,55 Prozent.
Männer mit höherem Überschuldungsrisiko
Bei den Männern fiel der Anstieg stärker aus als bei den Frauen. Aktuell sind 6,90 Prozent der Männer in Unterfranken überschuldet (Vorjahr: 6,71 Prozent), während die Quote bei den Frauen nur leicht von 3,99 auf 4,08 Prozent stieg. Männer gelten im Durchschnitt als risikofreudiger bei Finanzentscheidungen und sind häufiger selbstständig tätig – beides erhöht das Überschuldungsrisiko. Zudem suchen Männer seltener frühzeitig Hilfe bei finanziellen Problemen.
Ausblick: Weitere Zunahme wahrscheinlich
Der anhaltende Anstieg der Lebenshaltungskosten dürfte die Überschuldungssituation der Verbraucher in den kommenden Monaten weiter verschärfen. Ein weiterer Zuwachs der Überschuldungsfälle ist daher wahrscheinlich. Da die Mehrheit der Betroffenen bereits juristische Negativmerkmale aufweist, wird der Weg aus der Schuldenfalle zunehmend schwieriger.
Methodik: Der Creditreform SchuldnerAtlas definiert Überschuldung als den Zustand, in dem die Ausgaben einer Person dauerhaft höher sind als deren Einkommen. Indikatoren für Überschuldungsprozesse sind u. a. juristische Verfahren wie Anträge auf Restschuldbefreiung oder unstrittige Inkassofälle.

Nachfolgend finden Sie den Link zu unserer interaktiven Schuldnerlandkarte:
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