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Studie „Kreditfonds-Analyse“ (Creditreform Rating AG)

Kreditfonds nehmen in Europa vor dem Hintergrund des Bedarfs an einer Diversifizierung der Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb des Bankensektors sowie des weiterhin bestehenden Niedrigzinsumfeldes eine immer bedeutendere Rolle ein. So ist die Kreditvergabe durch Investmentfonds in einer wachsenden Zahl der EU-Mitgliedstaaten erlaubt (23 der EU-28-Staaten) und eine Reihe europäischer Jurisdiktionen weist sogar einen spezifischen Rechtsrahmen für Kreditfonds auf. Gleichzeitig befinden sich die Anleiherenditen in einer Reihe von Volkswirtschaften auf oder nahe ihren historischen Tiefstwerten. In der Folge der damit einhergehenden Ermangelung renditeträchtiger Anlageinstrumente hat die Suche nach höheren Renditen bei der Vermögensallokation dazu geführt, dass die Renditeaufschläge in risikoreicheren Marktsegmenten unter Druck geraten sind.

Nachdem auf dem Markt für Real Estate-Kreditfonds in 2013 ein deutlicher Wachstumsimpuls registriert wurde und das jährliche Fondsvolumen von 2,0 auf 9,6 Mrd. Euro stieg, hatte dieser in 2015 etwas an Schwung verloren – mit 6,8 Mrd. Euro lag das Volumen um mehr als die Hälfte unter dem Stand des Vorjahres (2014: 14,9 Mrd. Euro). Am aktuellen Rand gibt es dagegen deutliche Anzeichen, die auf eine er-neute Marktbelebung in 2016 hindeuten. Zwischen Januar und August 2016 wurden bereits europäische Immobilien-Kreditfonds mit einem Volumen von 5,4 Mrd. Euro platziert. Indessen zeigt der Vergleich des kumulierten Fondsvolumens, dass der Immobilienmarkt für Kreditfonds in den USA deutlich größer und reifer ist. Betrug das kumulierte Volumen in Europa zwischen 2007 und 2015 47,4 Mrd. so lag das Volumen im US-Markt im selben Zeitraum mit 190,6 Mrd. Euro deutlich dar-über.

Im laufenden Jahr entwickelt sich der europäische Markt für Infrastruktur-Kreditfonds bislang deutlich dynamischer als der US-amerikanische. So wurden bis Ende August bereits Kreditfonds mit einem Gesamtvolumen von 6,5 Mrd. Euro registriert (USA: 4,1 Mrd. Euro). Damit entwickelte sich der Markt in 2016 nochmals stärker als im bisherigen Rekordjahr 2014 (5,9 Mrd. Euro). Im Gegensatz zu den Real Estate-Kreditfonds bewegt sich der europäische Markt für Infrastruktur-Kreditfonds damit auf Augenhöhe mit den USA, wie eine Analyse des kumulierten Fondsvolumens zeigt. Zwischen 2007 und 2015 wurden dies und jenseits des Atlantiks jeweils neue Fonds im Umfang von 16,6 Mrd. Euro platziert.

Nach dem vergleichsweise schwachen Jahr 2015, (9,2 Mrd. Euro) deutet sich an, dass der europäische Markt für Direct Lending-Fonds in diesem Jahr an seine zuvor gezeigte Aufwärtsentwicklung anknüpfen kann. In Europa ist 2016 mit einem Fondsvolumen von insgesamt 10,1 Mrd. Euro bereits Ende August der Vorjahreswert (9,2 Mrd. Euro) überschritten worden. Auch in den USA zeigt sich der Direct Lending-Markt am aktuellen Rand weiter in starker Verfassung. Bislang beläuft sich das Fondsvolumen in 2016 auf 25,8 Mrd. Euro.

Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass Kreditfonds weiterhin interessante Ertragschancen bieten. Auch wenn Direct Lending-Fonds, die in 2009 aufgelegt worden waren, noch auf eine durchschnittliche Net IRR von 13,0% kamen, rentierten neue Fonds des Jahrgangs 2013 immerhin mit 7,1%. Die erzielten Erträge neu aufgelegter Real Estate-Kreditfonds fiel beim Jahrgang des Jahres 2013 mit 9,1% etwas niedriger aus als im Jahr zuvor (2012: 10,3%). Die Outperformance gegen-über Infrastruktur- und Direct Lending-Fonds hatte jedoch weiter Bestand. Infrastrukturfonds entwickelten sich dagegen vergleichsweise stabil. Anders als in den beiden anderen betrachteten Assetklassen war bei in 2013 aufgelegten Fonds kein Rückgang der Renditen zu beobachten (2013: 8,6%; 2011: 8,0%).

Wenngleich die Vereinigten Staaten das Epizentrum der Kreditfonds-Industrie bleiben dürften, sind wir optimistisch, dass sich Europa in den kommenden Jahren zu einem Wachstumsmotor entwickeln wird. Dabei sollte das Wachstum des europäischen Marktes mittelfristig nicht nur durch Aufholeffekte getragen werden, sondern durch die politischen Entscheidungsträger in der EU und durch das derzeitige Finanzierungsumfeld zusätzliche Impulse erhalten.

Ob sich Kreditfonds langfristig als alternative Finanzierungsquelle etablieren und einen positiven Beitrag zum Wachstum der realen Wirtschaft in Europa leisten, wird unserer Ansicht nach wesentlich davon abhängen, ob eine Überregulierung des Marktes für Kreditfonds vermieden werden kann. Ein Übermaß an neuen Anforderungen und Restriktionen könnte zu unverhältnismäßigen Kosten führen, so dass das Wachstum dieses in Europa noch jungen Segments gebremst und auf diese Weise die eigentliche Intention der europäischen Entscheidungsträger – die Förderung alternativer Finanzierungsinstrumenten außerhalb des Bankensektors – konterkariert wird.

Die ausführliche Analyse finden Sie hier

 Studie „Die europäische Kreditfonds-Industrie – Weiter auf dem Vormarsch“ 763 Kb