16.05.2019 Studie "Ausfallraten deutscher Unternehmen - 2018" (Creditreform Rating AG)


Risikosituation deutscher Unternehmen

Die empirische Ausfallrate deutscher Unternehmen ist im Jahr 2018 erneut leicht gesunken. Nach 1,44% in 2017, fielen von den rund 2,8 Mio. deutschen Unternehmen im abgelaufenen Jahr 1,41% aus. Somit folgt die Default Rate seit 2009 (2,17%) ihrem rückläufigen Trend. Wie schon im Vorjahr fiel der Rückgang jedoch relativ moderat aus, was darauf hindeutet, dass die Talsohle des Ausfallrisikos deutscher Unternehmen langsam erreicht sein dürfte.

Der negative Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Ausfallwahrscheinlichkeit hat sich im vergangenen Jahr erneut bestätigt. Bei Betrieben mit einem Umsatz von bis zu 0,5 Mio. Euro konnte in 2018 eine Ausfallquote von 1,48% beobachtet werden. Dagegen belief sich die Ausfallrate von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Mio. Euro auf lediglich 0,14%. Ein Rückgang des Ausfallrisikos im Vergleich zu 2017 konnte in fast allen Umsatzgrößenklassen wahrgenommen werden. Die deutlichste Verbesserung konnte in unserer diesjährigen Analyse bei kleinen Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 20 bzw. 20 und 50 Mio. Euro identifiziert werden.

Der Vergleich einzelner Wirtschaftszweige lässt deutliche Unterschiede in der Ausfallwahrscheinlichkeit der unterschiedlichen Branchen erkennen. Wie schon im Vorjahr war in 2018 die Grundstoffindustrie mit einer Ausfallrate von 0,69% am solidesten aufgestellt. Im Gegensatz dazu weist die Verkehrs- und Logistikbranche mit 2,52% das im Branchenvergleich höchste Ausfallrisiko auf. Den größten Rückgang der Ausfallquote konnte die Metall- und Elektroindustrie verzeichnen, wohingegen die deutlichste Eintrübung in der Konsumgüterindustrie zu beobachten war.

Der Unternehmenssektor in Stadtstaaten war in 2018 weiterhin mit erhöhten Ausfallrisiken behaftet. So verzeichnete Berlin im Bundesländervergleich die höchste Default Rate mit 2,01%, dicht gefolgt von Bremen (1,93%). Die geringsten Ausfallquoten wurden hingegen in Thüringen (1,03%) und Sachsen (1,15%) gemessen. Sachsen verzeichnete darüber hinaus im Vorjahresvergleich den stärksten Rückgang aller Bundesländer.

Nachdem die Ausfallquote in 2018 erneut ein historisches Tief markierte, dürften wir prospektiv keine nennenswerten Rückgänge mehr sehen, die an das Ausmaß derer vor 2017 heranreichen. So sieht sich der deutsche Unternehmenssektor derzeit mit einer Abkühlung der Weltwirtschaft und einer anhaltenden konjunkturellen Unsicherheit konfrontiert. Nichtsdestotrotz dürfte sich die Ausfallwahrscheinlichkeit deutscher Unternehmen im laufenden Jahr weiterhin auf einem niedrigen Niveau bewegen. Gemäß unserem Basisszenario erwarten wir, dass die Ausfallrate in 2019 marginal auf 1,40% zurückgehen wird.

Die ausführliche Analyse finden Sie hier

   Studie "Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft - 2018" 775 Kb