09.05.2018 Studie "Ausfallraten deutscher Unternehmen - 2017" (Creditreform Rating AG)

Risikosituation deutscher Unternehmen

Die konjunkturelle Entwicklung in 2017 ging mit weiterhin rückläufigen empirischen Ausfallraten im deutschen Unternehmenssektor einher. Von den rund 2,8 Mio. deutschen Unternehmen fielen im abgelaufenen Jahr 1,44% der Firmen aus. Somit folgt die Default Rate seit 2009 (2,17%) einem stabilen Abwärtskanal, auch wenn sich sicherlich eine allmähliche Bodenbildung auf dem inzwischen erreichten sehr niedrigen Niveau abzeichnet. In 2016 hatte der entsprechende Wert mit 1,45% nur unwesentlich höher gelegen.

Die Ausfallrisiken nehmen nach wie vor mit steigendem Jahresumsatz ab. Während sich die Ausfallrate bei Betrieben mit einem Umsatz von bis zu 0,5 Mio. Euro 2017 auf 1,50% belief, war die Ausfallquote von Firmen, die einen Jahresumsatz von 10 bis 20 Mio. Euro aufweisen, mit 0,71% weniger als halb so hoch. Deutlich niedriger lag die Ausfallrate bei Großunternehmen (0,19%). Im letzten Jahr waren die Unternehmen in allen Größensegmenten spürbar solider aufgestellt als noch in 2013. Allerdings ist die empirische Ausfallrate nicht in allen Umsatzklassen gleichermaßen stark zurückgegangen. Neben dem Umsatzsegment zwischen 50 und 250 Mio. Euro sanken die Ausfallrisiken kleiner Unternehmen mit Jahreserlösen zwischen 2 und 10 Mio. bzw. 10 bis 20 Mio. Euro am deutlichsten.

Ein Vergleich der Wirtschaftszweige lässt erkennen, dass die Unternehmen der Grundstoffindustrie immer noch am solidesten aufgestellt sind (Default Rate 0,77%). Im mittelfristigen Zeitfenster zeigt sich, dass der signifikante Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Ausfallquote seit 2013 von allen Wirtschaftszweigen getragen wurde. Am deutlichsten sanken die Risiken im Verkehrs- und Logistikgewerbe (3,12 auf 2,48%), gefolgt von der Konsumgüterindustrie und den konsumnahen Dienstleistern. Fielen in 2013 noch 1,65 bzw. 1,96% der Unternehmen in diesen Sektoren aus, so betrug die Ausfallquote zuletzt nur noch 1,25 und 1,58%.

Unsere Berechnungen bestätigen den Befund der Vorjahre, wonach die Stadtstaaten Berlin und Bremen den höchsten Anteil ausgefallener Unternehmen verzeichnen. Die Hauptstadt musste dabei im Bundesländervergleich die höchste Ausfallrate hinnehmen: 2017 fielen 1,95% der Unternehmen aus, die ihren Firmensitz in Berlin hatten. Auch Bremen weist mit 1,87% weiterhin einen relativ hohen Anteil ausgefallener Unternehmen auf, mit einigem Abstand folgt Nordrhein-Westfalen (1,64%), das unter den deutschen Flächenländern die höchste Default Rate aufweist.

Nachdem die Ausfallquote im Vorjahr das historische Tief erneut unterschritten hatte, sollten wir prospektiv keine Rückgänge mehr sehen, die an das Ausmaß der vergangenen fünf Jahre heranreichen. Gleichwohl erwarten wir, dass sich die empirische Ausfallrate in diesem Jahr leicht zurückbildet und ein neuer Tiefststand erreicht wird, da sich das makroökonomische Umfeld in Bezug auf die Stabilität des Unternehmenssektors weiterhin sehr konstruktiv gestaltet. Gemäß unseres Basisszenarios für die deutsche gesamtwirtschaftliche Entwicklung erwarten wir, dass die Default Rate in 2018 auf 1,40% sinkt.

Die ausführliche Analyse finden Sie hier

   Studie "Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft - 2017" 820 Kb