29.01.2019 SchuldnerAtlas Unterfranken 2018

 

Verbraucherüberschuldung zum 5. Mal in Folge gestiegen

Im Regierungsbezirk Unterfranken nimmt die Zahl der überschuldeten Verbraucher weiter zu. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 waren 76.959 Einwohner ab 18 Jahre als überschuldet anzusehen. Das waren rund 1.000 Personen mehr als 2017 (76.023) – ein Zuwachs um 1,2 Prozent. Damit erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Verbraucher prozentual gesehen deutlich stärker als in Deutschland insgesamt (+ 0,3 Prozent).

Der Creditreform SchuldnerAtlas definiert private Überschuldung als einen Zustand, in dem die Ausgaben und Zahlungsverpflichtungen einer Person dauerhaft höher sind als deren Einnahmen. Hierfür sind u. a. juristische Sachverhalte – wie ein Antrag auf Restschuldbefreiung – oder auch unstrittige Inkasso-Fälle ausschlaggebend.

Die Schuldnerquote, die die Zahl der überschuldeten Personen zur Bevölkerungszahl ins Verhältnis setzt, erhöhte sich in Unterfranken von 6,92 auf 6,99 Prozent (+ 0,07 Prozentpunkte). Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2007. Trotz des erneuten Anstiegs der Verbraucherüberschuldung sind anteilsmäßig aber weniger Personen überschuldet als im Freistaat Bayern (Schuldnerquote: 7,43 Prozent) bzw. als in Deutschland (10,04 Prozent).

Vor allem „weiche“ Überschuldung nimmt zu

Der Anstieg der Überschuldungsfälle in Unterfranken beruhte 2018 fast gänzlich auf der Zunahme sogenannter „weicher“ Überschuldung. Das sind Personen mit (noch) geringer Überschuldungsintensität. Die Zahl der Betroffenen stieg von 27.622 auf 28.522 Personen (+ 900 Fälle; + 3,3 Prozent). Die Zahl der Personen mit harten Überschuldungsmerkmalen (hohe Überschuldungsintensität) ist dagegen nahezu unverändert geblieben (+ 0,1 Prozent). 48.437 Personen sind in Unterfranken von harter Überschuldung betroffen.

Die anhaltend gute Arbeits- und Einkommenssituation der privaten Haushalte hat offenbar nur zum Teil den überschuldeten Personen einen Abbau der Überschuldung ermöglicht. Bestehende Überschuldungstendenzen wurden u. a. wohl auch durch ein unangemessenes Konsumverhalten der Verbraucher weiter verstärkt.

Kräftiger Anstieg in Aschaffenburg

Nur die Stadt Schweinfurt (Schuldnerquote: 10,67 Prozent; - 0,05 Prozentpunkte) und der Landkreis Miltenberg (8,16 Prozent; - 0,08 Prozentpunkte) verzeichneten im Jahresvergleich 2017/2018 gegen den Trend einen Rückgang der Schuldnerbetroffenheit. In beiden Fällen liegt die Schuldnerquote aber nach wie vor höher als im Regierungsbezirk Unterfranken insgesamt.

Am stärksten erhöht hat sich die Schuldnerquote zuletzt in der kreisfreien Stadt Aschaffenburg (+ 0,41 Prozentpunkte auf 11,40 Prozent). Bereits 2017 war es hier zu einem Anstieg der Schuldnerquote gekommen. Aschaffenburg verzeichnet zudem aktuell die höchste Überschuldungsquote aller kreisfreien Städte und Landkreise in Unterfranken. Forciert wurde diese Entwicklung auch durch die Zunahme der Zahl der Personen mit weichen Überschuldungsmerkmalen. Ebenfalls überdurchschnittlich hoch ist die Überschuldungsquote in der Stadt Schweinfurt (10,67 Prozent).

Günstiger ist die Überschuldungssituation der privaten Verbraucher im Landkreis Schweinfurt, wo lediglich 5,12 Prozent der erwachsenen Einwohner (+ 0,06 Prozentpunkte) als überschuldet anzusehen sind. Auf der Ebene der Landkreise ist weiterhin Miltenberg Negativspitzenreiter mit einer Schuldnerquote von 8,16 Prozent in 2018.

Jeder 12. Mann ist überschuldet

Männer gelten bei Finanzentscheidungen als risikofreudiger. Oftmals immer noch Hauptverdiener und Haushaltsvorstand übernehmen sie zudem höhere finanzielle Belastungen. Daher weisen Männer auch in Unterfranken deutlich höhere Überschuldungsquoten auf als Frauen. Bei beiden Geschlechtern sind die Schuldnerquoten im Jahresverlauf allerdings gestiegen. Bei den Männern von 8,59 auf 8,65 Prozent und bei den Frauen von 5,16 auf 5,25 Prozent. Die weibliche Schuldnerquote nahm dabei in allen Landkreisen und kreisfreien Städten zu – am deutlichsten in der Stadt Aschaffenburg (+ 0,41 Prozentpunkte). Die Überschuldungsquote der Männer war zum Teil rückläufig, so in der Stadt Schweinfurt sowie im Landkreis Miltenberg. Bundesweit gelten 12,55 Prozent der Männer und 7,65 Prozent der Frauen als überschuldet.

Spürbar verschärft hat sich die Überschuldung der Verbraucher vor allem in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen. Mittlerweile weisen 8,98 Prozent dieser Personen Überschuldungsmerkmale auf (2017: 8,62 Prozent). Am höchsten ist die Schuldnerbetroffenheit aber weiterhin in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen (Schuldnerquote 2018: 10,11 Prozent).

SchuldnerAtlas Region Unterfranken 2018

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